Wie bewerte ich ein Bild?
Ein kurzer Leitfaden für eine faire, nachvollziehbare Bewertung bei der JAFO-Bewertung – von der ersten Einschätzung bis zur Punktzahl von 1 bis 9.
- In 3 Schritten
- Punkteskala 1-9
- Kategorien
- BIT-Kriterien
- Kreativität
- Bildaufbau
- Selbstcheck
- Goldene Regeln
In drei Schritten zur Punktzahl
Eine Bewertung muss nicht kompliziert sein – dieser Dreischritt hilft, schnell zu einer begründeten Einschätzung zu kommen.
Grobe Einordnung
Lässt mich das Bild kalt, spricht es mich an, oder bin ich richtig begeistert? Diese erste Reaktion ordnet das Bild grob einem von drei Bereichen zu: 1-3, 4-6 oder 7-9 Punkte.
Feine Justierung
Liegt das Bild innerhalb dieses Bereichs eher am unteren Rand, in der Mitte oder am oberen Rand? So wird aus dem groben Bereich eine konkrete Punktzahl.
Begründen
Vervollständige gedanklich den Satz „Ich finde das Bild …, weil …“. Lässt sich der Satz nicht sinnvoll zu Ende führen, lohnt sich ein Blick zurück auf Schritt 1.
Die Punkteskala 1-9
Zu jeder Punktzahl gibt es auf der Bewertungsseite eine kurze Beschreibung zur Orientierung – diese Grafik zeigt die aktuell hinterlegten Kurztexte im Überblick.
Die genauen Formulierungen legt die JAFO-Admin fest (JAFO-Verwaltung > Werkzeuge > Bewertungsskala) und können sich daher von Bewertung zu Bewertung leicht unterscheiden.
Drei Kategorien, vier Kriterien
Für die grobe Einordnung aus Schritt 1 hilft ein Blick auf vier wiederkehrende Kriterien: Thema, technische Umsetzung, Bildgestaltung und die ausgelöste Emotion.
Nicht in Ordnung
„Lässt mich kalt“
- Thema verfehlt
- Grobe technische Mängel
- Grobe Gestaltungsfehler
- Weckt keine Emotionen
Gut
„Spricht mich an“
- Thema getroffen
- Technik im Großen und Ganzen in Ordnung
- Keine offensichtlichen Gestaltungsfehler
- Lässt Raum für Emotionen
Überdurchschnittlich
„Ich bin begeistert“
- Thema überragend umgesetzt
- Technik über dem Durchschnitt
- Bildgestaltung/-aussage deutlich erkennbar
- Weckt Emotionen
Die BIT-Faustregel
Fällt die Einordnung schwer, hilft ein Blick auf drei Grundbausteine jeder Fotografie.
Bildaufbau
Bildaufbau und Bildgestaltung: Wirkt die Komposition durchdacht, oder eher zufällig?
Idee
Idee, Originalität und Inhalt: Steckt eine eigene Idee, eine Aussage oder eine erkennbare Geschichte im Bild?
Technik
Technische Mängel: Stimmen Schärfe, Kontrast und Farbtreue – oder fallen technische Schwächen auf?
Kreativität als Zünglein an der Waage
Kreativität sollte immer mitgedacht werden, ist aber nur ein Baustein der Gesamtpunktzahl – kein eigenes Kriterium mit eigener Punkteskala.
Ein noch nie gesehenes Motiv, eine neue Technik oder eine überraschende Perspektive dürfen die Punktzahl um etwa einen Punkt nach oben ziehen. Eine gewöhnliche, oft gesehene Aufnahme ohne eigene Idee darf entsprechend etwas niedriger bewertet werden als eine technisch ähnlich starke, aber originellere Einsendung.
Regeln der Bildgestaltung (Auswahl)
Diese Grundregeln der Komposition helfen bei der Einschätzung, ob ein Bild „aufgeht“ – eine Regel bewusst zu brechen kann dabei genauso ein Gestaltungsmittel sein wie sie einzuhalten.
Quelle der Kompositionsregeln: magazin.zonerama.de
Selbstcheck vor der Punktevergabe
Ein kurzer Blick auf diese Fragen hilft, die eigene Bewertung nochmal zu hinterfragen.
- Bin ich mir sicher, warum dieses Bild seine Punktzahl verdient?
- Was genau bringt diesem Bild Punkte – und was kostet Punkte?
- Wie stark beeinflusst mein persönlicher Geschmack diese Bewertung?
- Bewerte ich ähnlich starke Bilder auch wirklich gleich?
- Würdige ich Kreativität und eine neue Idee, ohne bloße Kopien zu überschätzen?
- Fließt mein Wissen über das Motiv oder den Kontext angemessen mit ein?
Goldene Regeln aus dem Verein
Ein paar bewährte Grundsätze aus früheren Bildbesprechungen der Fotofreunde Wiggensbach.
- Es gibt nicht die einzig richtige Bewertung – nur eine gerechte und sachgerechte.
- Objektive Kriterien prägen die Bildwirkung mit, sind aber nicht alleinentscheidend.
- Persönlicher Geschmack lässt sich nicht vollständig ausblenden – kenne deine eigenen Vorlieben und Abneigungen und werte mit Maß.
- Kreativität und frische Ideen verdienen Anerkennung, bloße Kopien nicht.
Beurteile das Bild – urteile nicht über den Fotografen.
Frei nach dem Leitsatz: Juroren sollen Bild-Beurteiler sein, keine Verurteiler.